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Der wildlebende Wellensittich

Der Wellensittich gehört innerhalb der Familie der Papageien zur siebten Unterfamilie, den echten Papageien.
In dieser Unterfamilie bildet er eine eigene Gattung, deren einzige Art er ist.
Es existieren keine Unterarten.

Steckbrief

Wildfarbene Wellensittiche

Wissenschaftlicher Name:
Melopsittacus undulatus (Melopsittacus ist griechisch und bedeutet  Singpapagei, undulatus ist das lateinische Wort für Wellenlinie) .
Heimat:
Australien
Lebensraum:
Strauchsteppe, Entlang von Creeks ( Periodisch wasserführende Bäche und Flüsse)  in Zentralaustralien.
Stammform:
Grün mit gelber Maske und schwarz-gelber Wellenzeichnung auf Hinterkopf Oberücken und Flügeln.

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Körperlänge:  
16 bis 18 cm
Schwanz:  
8 bis 9 cm
Gewicht:
30 bis 40 g
Lebenserwartung:
5 bis 12 Jahre
Geschlechtsreife:
im Alter von 3 bis 4 Monaten



Eier pro Gelege:
3 bis 5
Eiablage:  
Im Abstand von 2 Tagen
Brutbeginn:  
nach dem ersten Ei
Brutdauer:
 18 Tage
Nestlingszeit:  
28 bis 32 Tage

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Der Wellensittich und das harte Nomadenleben

Die Lebensbedingungen der Wellensittiche sind im heißen, trockenen Klima Zentral- australiens extrem hart. Dort kann monatelang, ja sogar jahrelang jeglicher Regen ausbleiben.

Temperaturen machen den Wellensittich zu schaffen

Die Temperaturen weisen in den Morgen- und Abendstunden bereits 38 Grad Celsius auf und klettern während  des Tages bis auf 45 Grad Celsius und höher.
Die heißen Mittagsstunden verbringen die Wellensittiche deshalb in Gruppen von ungefähr 50 Vögeln in den hohen Wipfeln von Eukalyptusbäumen, die entlang der Creeks wachsen.
Dann sind sie unauffällig leise und durch ihre Tarnfarben kaum zu entdecken. Die stille Lebensweise während der Trockenzeiten haben etwas mit dem Wasserhaushalt zu tun; je weniger aktiv ein Lebewesen ist, desto geringer sein Wasserverbrauch.

Nahrungsuche

Ihre Nahrung suchen Wellensittiche frühmorgens und gegen Abend am Boden trippelnd. In der Nacht sinken die Temperaturen rapide ab, nach Mitternacht sogar bis auf Minusgrade.
Durch diese kühlen bis kalten Nächte finden die Vögel glücklicherweise morgens Taunässe an der Pflanzen vor,  die ihnen in Trockenperioden das Trinkwasser ersetzen. Gibt es in den Flüssen und Felslöcher aber Wasser, trinken Wellensittiche etwa alle drei Stunden, andere Sitticharten dagegen nur morgens und abends. Doch wenn es in einem Gebiet lange nicht geregnet hat, verdorren Gräser und Kräuter und deren Samen sind bald verzehrt.

Nahrungsmangel

Wegen des beginnenden Nahrungsmangel müssen die Wellensittiche dann nach neuen Revieren suchen.
Da sich die Wüsten und Halbwüsten in Australien über Tausende von Kilometern erstrecken müssen die Vögel oftmals einige 100 km fliegen ehe sie wieder in eine Gegend kommen die ihnen ausreichend Nahrung bietet.
Auf diese Wanderflüge begeben sich dann aber nicht nur kleine Gruppen sondern große Schwärme.
Die Vögel fliegen schnell und halten durch bestimmte Rufe untereinander Kontakt.
Kurze Strecken zum Beispiel zu Nahrungsgründen oder zur Wasserstelle, fliegen wildlebende Wellensittiche in leichter Bogenlinien über den Baumwipfeln. Große Strecken legt ein Schwarm hingegen in pfeilgeschwindem Flug zurück.

Gebrütet wird, wenn es regnet

Kommen die Wellensittiche auf ihren Wanderzug in ein Gebiet, in dem es kürzlich geregnet hat oder noch regnet beginnt für Sie ein ganz anderes Leben. Der Regen bringt Wasser und etwas Kühle. Er lässt neues Grün sprießen und somit gibt es in Kürze reichlich halbreife Samen, Diese sind unverzichtbar für die Ernährung der Wellensittich Kinder. Sofort fangen die Männchen an zu Balzen, um ihr Weibchen in Hochzeitsstimmung zu bringen. Diese wiederum sind eifrig auf der Suche nach einer Nisthöhle. Möglichst hoch gelegene Astlöcher der Eukalyptusbäume sind dafür ideal.

Nestbau beginnt

Die Weibchen vergrößern mit dem Schnabel den Innenraum, sorgen für eine Nestmulde und bearbeiten das Einschlupfloch.
Der dabei anfallende Mulm dient als Polster für die Eier und später für die Junge.
Weil immer eine kleinere Schar aus den großen Wanderschwarm zusammenbleibt, kommt es in einigen nahe gelegenen Bäume zu regem Treiben.
Mehrere Brutpaare nisten in einem Baum.
Die Balz der Männchen, die Emsigkeit der Weibchen wirken ansteckend.
In wenigen Tagen sind die Plätze verteilt,  wird Hochzeit gehalten, und bald liegen die ersten Eier in der Nisthöhle. Die Weibchen sind nun selten zu sehen. Sie brüten.
Aus der Höhle kommen sie nur um sich zu entleeren.
Während des Brutvorganges wird das Weibchen vom Männchen gefüttert.
Zum Füttern steckt das Weibchen den Kopf aus dem Einflugloch.
In der Natur darf das Männchen nicht in die Nisthöhle.

So wird gebrütet:

Jeden zweiten Tag legt das Weibchen ein Ei.
Das Bebrüten beginnt mit dem ersten Ei spätestens mit der Ablage des zweiten Ei beginnt die Brut.  Die Eier werden in regelmäßigen Abständen gewendet.
Will das Küken nach 18 Tagen schlüpfen hat es dies seiner Mutter durch die Eischale durch Pieptöne kundgetan.
Die Küken schlüpfen nach der Reihenfolge der Eiablage.
Sie sind nackt und blind, rutschen sofort unter das Gefieder der Mutter und werden von ihr gefüttert.
Nach 28 Tagen verlässt das junge die Bruthöhle und kann fliegen.

Das Leben in der Schar

Haben die Jungen die Höhle verlassen,  kümmert Sich der Vater noch etwa zwei Wochen um Sie.
Danach sind sie selbständig und leben mit den Jungvögeln der ganzen Schar,
während die Eltern bei günstigem Nahrungsangebot mit der nächste Brut beschäftigt sind.
Noch ehe die eben ausgeflogenen Jungen in die erste Mauser kommen, beginnen Sie bereits zu balzen.
Zunächst nur die Männchen, die nicht nur die gleichaltrigen Weibchen umwerben, sondern auch solche bevorzugen, die sich bereits an einer Nisthöhle zu schaffen machen.
Bei den jungen Weibchen haben dagegen die schon Reifen Männchen Chancen.

Mauser in Eile:

Der einzig sichere, längere Aufenthalt der Wellensittiche fällt stets mit einer Brut zusammen.
Deshalb nutzen Sie diese Zeitspanne auch um ihr Gefieder durch eine sanfte Mauser teilweise zu erneuern. Müssen die Sittiche wieder weite Strecken fliegen, haben sie danach ein intaktes Gefieder.

Feinde sind überall:

Stets orientiert der Wellensittich sich nach oben, da ihm ursprünglich nur Gefahr vom Falke drohte.
Eingeführte, verwilderte  Hauskatzen  erbeuten daher leicht Sittiche, Da diese von Natur aus nicht mit einem Warnsystem gegen Bodenfeinde  ausgerüstet sind.
Feinde sind auch Vögel, die als Konkurrenten um die Nisthöhle auftreten. Zwar verteidigt ein Wellensittich Weibchen sein Gelege und die Nestlinge gegen Eindringlinge mit großem Einsatz, doch nicht immer ist Sie überlegen.

Wie verstehen sie sich untereinander?

Der Wellensittich gilt als der ruhigste Papagei Australiens.  
Sein stimmliches Repertoire ist wenig variantenreich, als wir es von vielen unserer heimischen Singvögel kennen.
Wie bereits erwähnt, leben Wellensittiche während der Trockenzeit so unauffällig, daß viele Beobachter sie nur zufällig wahrnehmen. Die ausgezeichnete Tarnung, die ihnen ihr grünes Gefieder verleiht, läßt sie während der Ruhestunden völlig mit dem Laub der Eukalyptusbäume “verschmelzen”.
Da Sie sich in großen Höhen am sichersten fühlen, ruhen Sie bevorzugt in der Nähe der Wipfeln. Von dort oben dringt ihr leises Gezwitscher kaum ans Ohr des Beobachters. Begeben sich die Sittiche auf den Boden zur Nahrungssuche, bleiben sie auch dabei meist still.

Der Ruf des Wellensittichs

Nur manchmal ist ein Rufen zu hören. Dieser bestimmte Ruf, der einen Zusammenhalt des Schwarm dient, klingt für uns Menschen immer gleich. Die Wellensittiche hören in diesen Ruf aber nicht nur “Wir sind hier, wo bist du”, sondern erkennen an der feinen Nuance des Rufs auch den Artgenossen als Individuum.
Noch viel wichtiger sind diese Nuancen der Verständigung, wenn die aktive Phase im Leben der Wellensittiche während des Brütens beginnt.
Da heißt es Mindestabstände zu respektieren, das Leben in der Schar ohne störende Aggressionen zu bestehen und außerdem noch die besondere Zweisamkeit der einzelnen Paare zu berücksichtigen.
Gerade diese Fähigkeit, einerseits so fein differenzierende Laute zu erzeugen und andererseits so hochsensible zu hören, sind die Voraussetzung für die Begabung zum Nachsprechen von Wörtern.
Viele Papageien, die wie der Wellensittich in ständigem engem Kontakt mit der Schar leben und zudem noch in lebenslanger Ehe mit einem Partner, nützt im Zusammenleben mit Menschen diese angeborene Fähigkeit, um Laute nachzuahmen.

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